Voraussetzungen für den AGITO®: Wann passt das Armunterstützungssystem?
Produktwissen · 4 Min. Lesezeit · Stand: 15. August 2026 · Fachlich geprüft vom ORFOMED-Team
Der AGITO® hilft nicht bei jeder Einschränkung gleich gut. Das liegt an seinem Wirkprinzip: Er ersetzt die Armbewegung nicht, sondern nimmt dem Arm einen Teil seines Gewichts ab, damit die vorhandene eigene Kraft wieder für den Alltag reicht.
Daraus ergeben sich einige Voraussetzungen. Dieser Beitrag erklärt sie offen, damit Sie einschätzen können, ob eine Erprobung sinnvoll ist. Und was möglich bleibt, wenn es aktuell nicht passt.
Das Wichtigste in Kürze
- Der AGITO® unterstützt vorhandene Bewegung, er erzeugt keine neue.
- Entscheidend ist die Handfunktion: Der Arm wird getragen, greifen müssen Sie selbst.
- Bei einer dauerhaft geschlossenen Hand (Kontraktur) ist eine Erprobung nicht sinnvoll.
- Verändert sich Ihre Situation, lohnt sich eine erneute Einschätzung. Eine Absage heute ist keine Absage für immer.
Was der AGITO® tut
Das System arbeitet mit einer Feder, die einen einstellbaren Teil des Armgewichts trägt, zwischen 0,5 und 3,0 Kilogramm. Die Bewegung selbst kommt weiterhin aus Ihrer Muskulatur. Fachlich heißt das Gewichtskompensation.
Der Unterschied im Alltag ist oft groß: Wer den Arm zwar bewegen kann, ihn aber nach kurzer Zeit nicht mehr halten mag, schafft mit Unterstützung plötzlich wieder eine ganze Mahlzeit, ein Telefonat oder eine Stunde am Schreibtisch.
Der AGITO® greift allerdings nicht für Sie. Er hält den Arm in der Schwebe, damit Ihre Hand tun kann, was sie noch kann.

Die drei Voraussetzungen
1. Eine ärztlich festgestellte Diagnose mit Auswirkung auf Arm oder Schulter. Typisch sind Schlaganfall, Multiple Sklerose, Amyotrophe Lateralsklerose, Spinale Muskelatrophie, Duchenne Muskeldystrophie oder eine Plexusparese nach Unfall oder Operation. Die Diagnose ist auch für die Krankenkasse wichtig, weil der Antrag eine medizinische Begründung braucht.
2. Der Arm lässt sich noch bewegen, wenn auch mühsam. Es muss keine volle Beweglichkeit sein. Auch „nur mit Mühe” oder „nicht lange durchhaltbar” sind gute Ausgangslagen, denn genau dort setzt die Entlastung an. Wie viel Unterstützung nötig ist, wird bei der Erprobung eingestellt.
3. Die Hand kann greifen, zumindest eingeschränkt. Das ist der Punkt, an dem es am häufigsten scheitert, und der wichtigste. Ein getragener Arm nützt wenig, wenn die Hand das Glas nicht halten kann. Eine eingeschränkte Greiffunktion ist dabei kein Ausschluss, oft reicht sie in Verbindung mit der Entlastung wieder aus.
Wann der AGITO® nicht passt
Wenn die Hand dauerhaft geschlossen ist, etwa durch eine ausgeprägte Kontraktur oder starke Spastik, ist eine Erprobung nicht sinnvoll. Der AGITO® könnte den Arm zwar tragen, aber die Hand könnte nichts damit anfangen. Das Ergebnis wäre ein Hilfsmittel, das im Alltag liegen bleibt.
Wir sagen das lieber vorher als nach einer Erprobung, die für Sie Aufwand bedeutet und am Ende enttäuscht. Und wir sagen es auch der Krankenkasse gegenüber ehrlich, denn ein Antrag ohne belegbaren Nutzen schadet am Ende allen Beteiligten.
Dasselbe gilt, wenn im betroffenen Arm gar keine eigene Bewegung mehr möglich ist. Dann fehlt das, was der AGITO® unterstützen könnte.
Was möglich bleibt
Lassen Sie die Handfunktion fachlich einschätzen. Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten beurteilen genau das im Alltag. Manchmal ist mehr Greiffunktion vorhanden, als es im Formular oder im ersten Gespräch klingt, besonders wenn Sie unsicher waren, wie Sie Ihre Situation einordnen sollen.
Fragen Sie erneut, wenn sich etwas ändert. Nach einer Therapiephase, nach einer Botulinumtoxin-Behandlung bei Spastik oder nach einer Reha kann die Ausgangslage eine andere sein. Eine Absage heute schließt eine spätere Versorgung nicht aus.
Sprechen Sie mit Ihrem Sanitätshaus über den gesamten Bedarf. Der AGITO® ist ein Baustein von vielen. Welche anderen Hilfsmittel in Ihrer Situation infrage kommen, lässt sich gemeinsam mit Ihrem behandelnden Arzt und Ihrem Sanitätshaus klären, das den Markt vor Ort kennt.
Sie sind unsicher, ob die Voraussetzungen erfüllt sind? Rufen Sie uns an, wir schauen es gemeinsam durch. Ein kurzes Gespräch ist ehrlicher als jedes Formular. Telefon: 09131 94 34 880
Wie es nach der Anfrage weitergeht
Passen die Voraussetzungen, läuft es in drei Schritten: Wir melden uns telefonisch und klären offene Fragen. Danach vermitteln wir Sie an ein zertifiziertes Sanitätshaus in Ihrer Nähe, das den AGITO® mit Ihnen erprobt. Zeigt die Erprobung einen Nutzen, wird sie dokumentiert und ist die Grundlage für den Antrag bei Ihrer Krankenkasse.
Wie dieser Antrag abläuft und welche Fristen gelten, lesen Sie im Beitrag Hilfsmittel beantragen. Falls Ihre Kasse bereits abgelehnt hat, hilft Hilfsmittel abgelehnt: Was jetzt zu tun ist weiter.
Kostenfreie Beratung zur Armunterstützung: Wir klären gemeinsam, ob der AGITO® zu Ihrer Situation passt, und sagen Ihnen ehrlich, wenn er es nicht tut. Jetzt Beratungstermin vereinbaren
Über die Autoren
Dieser Beitrag wurde vom Team der ORFOMED GmbH erstellt: Techniker, Medizinprodukteberater und Therapeuten, die seit 2014 Menschen mit eingeschränkter Armfunktion versorgen. ORFOMED verantwortet den Vertrieb des AGITO® Armunterstützungssystems (Hilfsmittelverzeichnis-Nr. 02.10.01.0005).
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